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SIWECOS  

   

1903 wurde die Festung Spandau aufgelassen, worauf die Zahl der Bevölkerung sprunghaft zunahm. Die Marien-Kirche am Behnitz reichte nicht mehr aus. Am Askanierring, Ecke Moltkestraße, wurde ein entsprechend großes Grundstück erworben.

Baugeschichte:

07.10.1905        Vorentwurf datiert
07.03.1908 Ausführungsentwurf datiert
29.07.1908 Entwurf für die Turmänderung
04.10.1908 Baubeginn
20.05.1909 Grundsteinlegung
30.10.1910 Konsekration durch Georg Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau
1921 Vollendung der Ausmalung durch Theodor Nüttgens, Berlin


Professor Christoph Hehl, seinerzeit ein bekannter und bedeutender Kirchenbauer, erstellte die Kirche. Dem damaligen Geschmacksempfinden entsprechend verwendete er romanische und gotische Stilelemente, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, die Marien-Kirche als Kopie irgendeiner alten Kirche zu bauen. Für 1910 war dies ein „moderner“ Kirchenbau. Als Baumaterial verwendete er Backsteine im romanischen Klosterformat, was der Kirche ihren wuchtigen Charakter gibt. Der Kirche vorgelagert ist auf einem quadratischen Grundriss von 10m Seitenlänge ein Turm von 56m Höhe. Seit 1963 ist der gemauerte Turmhelm mit Kupfer verkleidet.

Die gewölbte Kuppel des Zentralbaus, die mit ihren 20 Fenstern das Kircheninnere ausreichend erhellt, bildet ein Zehneck, dem der Hauptaltar und die Nebenaltäre angegliedert sind. Zwischen dem Hauptaltar und dem massiven Turm ist ein Langhaus mit Orgelempore eingeschaltet. Zwei Quervorlagen erweitern das ganze zur Kreuzform. Im Inneren beeindruckt der Stützenwechsel zwischen den Pfeilern und Backsteinsäulen, auf dem der Zentralbau – außen 33m, innen 25m hoch, Weite 21m – ruht. Die Gesamtlänge des Bauwerks ist 54m. Die Ausmalung der Kirche wurde 1921 durch den Berliner Maler Theodor Nüttgens nach Angaben von Prof. Hehl durchgeführt. Von der Ausgestaltung des Inneren blieb, bis auf die Galvanoplastiken der Gottesmutter und des hl. Josef, nach der Zerbombung im zweiten Weltkrieg nichts erhalten.

Am 6.Oktober 1944 wurde das Kirchengrundstück bei einem Fliegerangriff von neun Bomben getroffen. Die sechs Sprengbomben, die allein die Kirche trafen, hinterließen ein Bild von Trümmern und Schutt. Einzig der Glockenturm blieb im wesentlichen erhalten, aber auch er hatte starke Beschädigungen aufzuweisen, die durch die Kämpfe um Spandau noch vergrößert wurden. Die gemauerten Gewölbe des Hauptbaues, der Altäre und der Empore waren zum größten Teil eingestürzt oder zeigten gefahrdrohende Rissbildung. Das stählerne Zeltdach über der Kuppel war stark verformt, durch die Sprengbomben teilweise zerrissen und aus der Normallage verschoben, so dass es in den Kirchenraum hing.

Die Kirche war in einem derartig desolaten Zustand, dass man mit einem Wiederaufbau kaum rechnen konnte. Nach Aussagen von Oberbaurat Lukanek beabsichtigte die englische Militärregierung die Sprengung. Sowohl das Bischöfliche Ordinariat und der Gesamtverband (wohl gestützt auf ein Gutachten des damaligen Diözesanbaurates Hinzen) wollten von einem Wiederaufbau nichts wissen. Wenn gegen alle Gutachten, die einen Abriss bzw. eine Sprengung der Kirchenruine befürworteten, dennoch die Kirche wieder aufgebaut wurde, ist dies zwei Männern zu danken, die mit einem „heiligen“ Starrsinn sich dem Wiederaufbau der Kirche verschworen hatten. Dem damaligen Pfarrer, Geistlicher Rat Nawrot, und dem ihm freundschaftlich zur Seite stehenden Oberbaurat Felix Lukanek.

Im Frühjahr 1946 konnte mit den Arbeiten in eigener Regie, also ohne Einsatz einer Baufirma begonnen werden. Die Enttrümmerung dauerte etwa ¼ Jahr. Der besondere Fleiß der Frauen und Männer der Pfarrei, die dabei mithalfen, darf nicht vergessen werden.

Nach langem Überlegen wurde eine Stahlbetonkuppel gewählt. Die zehn Rippen der Kuppel wurden als Stahlbetonfertigteile, je 10m lang, im Inneren des Kirchenraumes hergestellt. Die Art der Ausführung der Kuppelrippen aus Stahlbetonfertigteilen war bis dahin einmalig in Berlin.

Der Wiederaufbau der Kirche war 1952 so weit fortgeschritten, dass Bischof Weskamm am Himmelfahrtstage, dem 22.Mai, den ersten Gottesdienst in der wiedererbauten Kirche halten konnte. Nach dem Wiederaufbau der Bausubstanz (1946 – 1952) wurden am Turm und an den Fassaden (1963 – 1965) die Kriegsschäden beseitigt und eine Neugestaltung des Vorplatzes durchgeführt.


Ausgestaltung des Inneren der Kirche

Da es immer an Geldmitteln fehlte, wurde die Ausgestaltung des Inneren bis zuletzt zurückgestellt. Altar und Kanzel waren nur als Provisorium gedacht. 1960, anlässlich des 50. Kirchweihjubiläums, kritisierte Julius Kardinal Döpfner den „unwürdigen“ Altar und verlangte vom Pfarrer und den anwesenden Kirchenvorstehern, möglichst bald eine Änderung vorzunehmen. Wegen der damals zu erwartenden Liturgiereform wurde dem Wunsch des Kardinals nicht entsprochen und alle Maßnahmen zur Innenausstattung der Kirche auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Im Jahre 1968 wurde dieses Vorhaben durchgeführt.


Die Marienkirche nach der Umgestaltung der Innenräume

Dem alten Liturgieverständnis entsprechend, befand sich früher der Hochaltar in einer geräumigen Apsis, die vom Kuppelraum der Kirche durch zwei mächtigen Säulen getrennt war. Die Säulen wirkten wie Lettner, so dass von einem Drittel der Sitzplätze die Aussicht auf den Altar versperrt war.

Dem Architekten, Herrn Georg Schönfeld, wurde zur Auflage gemacht, ...

1.    den Altar so aufzustellen, dass er von allen Seiten sichtbar ist.
2. Die Apsiden und auch die Seitenschiffe optisch in den Kirchenraum mit einzubeziehen, so dass der Eindruck entsteht, es handelt sich bei den Apsiden und den Seitenschiffen nur um einen Umgang um den weiten Kuppelraum (Herr Architekt Schönfeld hat darüber hinaus auch das etwas zu kurz geratene Langschiff durch Aufhängung des Kreuzweges in Form eines Frieses optisch verlängert).
3. Den Priestersitz so aufzustellen, dass für alle sichtbar zum Ausdruck kommt, dass der Priester wohl Vorsteher, aber auch Glied der Gemeinde und selber Hörer des Worts ist.
4. Da Nebenaltäre nicht mehr notwendig sind, sollen in den Seitenapsiden der Tabernakel und der Taufstein Aufstellung finden.
5. Die beiden Figuren Maria mit dem Kind und St. Josef (Galvanoplastiken nach Entwürfen von Prof. Hehl) so aufzustellen, dass sie allgemein sichtbar sind und die Verehrung der Gläubigen weiterhin erfahren.

 
Herr Architekt Schönfeld hat die ihm gestellten Aufgaben bestmöglich erfüllt. Ernstzunehmende Kritik ist von keiner Seite erfolgt.

Bei der Ausgestaltung der Kirche wurde von vornherein grundsätzlich abgelehnt, dass nur modernes, dem augenblicklichen Geschmack entsprechendes Kunsthandwerk oder gar Kunstgewerbe aufgestellt wird. Auf die alte kirchliche Tradition, dass der Auftraggeber theologische Themen angibt, die vom Künstler mit den Mitteln der Kunst zum Ausdruck gebracht werden, sollte auch hier zurückgegriffen werden.

Alle Gebrauchs- und Kunstgegenstände sollen sich folgendem Thema ein- bzw. unterordnen: Die betende Gemeinde, das Volk Gottes des Neuen Bundes ist Erfüllung der Prophetie des alten Bundesvolkes.


Die Kreuzigungsgruppe

Auf dem Hochaltar der Marien-Kirche stand vor der Zerstörung eine Kreuzigungsgruppe von Prof. Josef Limburg. Diese Bronzegruppe wurde bei der Zerbombung der Kirche zerstört. Durch Zufall befand sich die Form noch im Besitz der Witwe des inzwischen verstorbenen Prof. Limburg. Frau Limburg, die mit dem damaligen Pfarrer von St. Marien seit Jahren bekannt war, stiftete einen Neuguss. Diese Kreuzigungsgruppe, die zu den stärksten Werken von Prof. Limburg gehört, fand an der Rückwand der Mittelapsis Aufstellung. Dass es sich bei dem Werk um ein bedeutendes Kunstwerk jener Zeit handelt, wird durch die Aussage von Frau Limburg bestätigt, nach der Papst Pius X. eine Fotografie der „Spandauer Madonna“ auf seinem Schreibtisch im Vatikan stehen hatte.

Maria wird in der Litanei „Lade des Bundes“ genannt. Insofern lag es nahe, den Tabernakel einer Marien-Kirche als Bundeslade zu gestalten. In Abänderung der alttestamentlichen Beschreibung wurde eine andere Form für die Bundeslade gewählt. Nach dem Wort des Herrn „wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“, wird diese Gegenwart Christi Wirklichkeit in dem zehneckigen Kuppelraum der Kirche. In besonderer Gegenwart befindet sich der Herr in der Gestalt des konsekrierten Brotes. Aus dieser für den gläubigen Christen gegebenen Tatsache wurde der Tabernakel als Nachbildung des Kuppelraumes der Kirche von Goldschmied Johannes Schlüter, Berlin, gestaltet. (Kupfer vergoldet, Höhe 63cm, Breite 70cm.) Der Tisch, auf dem der Tabernakel steht, wurde aus Restteilen des Altares, wie er vor der Zerbombung bestanden hatte, erstellt. Führt man den Gedanken, nämlich Tabernakel als Bundeslade, weiter, so gehören dazu auch der siebenarmige Leuchter, die Cherubim und der Vorhang des Tempels.

Die Verbindung der Kreuzigungsgruppe zum Altar ist durch die Aufstellung eines siebenarmigen Leuchters in Bronze (Höhe 3,65m, Breite 1,65m) hergestellt. Der Bildhauer Paul Brandenburg ist bei der Formgebung des Leuchters von dem Gedanken ausgegangen, dass er wohl als siebenarmiger Leuchter an das Alte Testament erinnert, aber auch gedanklich eine Verbindung zwischen Kreuz und Altar darstellt (sieben Gaben des Hl. Geistes, sieben Sakramente).

Die Aufstellung des Tabernakels und des Taufsteines (ein Geschenk der Stadt Spandau 1910 an die Pfarrei St. Marien) in den beiden Seitenapsiden (12m Höhe) wäre von den Proportionen her unmöglich gewesen. So wurden bei der Renovierung im Jahre 1968/69 in jede der Apsiden frei schwebende Betonplatten (3,50m hoch und 4,80m breit) aufgehängt.

Auf diese Platten hat der Berliner Maler Gerhard Köhler in Mineralfarben (Seccotechnik) die Beziehung des Altarraumes zum Alten Testament verdeutlicht.

In der linken hinter dem Tabernakel befindlichen Apside sind in abstrakter Weise neun Cherubim dargestellt. Das Gespinst der Flügel über einer Lichtscheibe im Mittelpunkt des Bildes sollen den Vorhang des Tempels versinnbildlichen.

Da in der Liturgie der Taufwasserweihe die Taufe mit dem Durchzug durch das Rote Meer verglichen wird, hat Gerhard Köhler, ebenfalls in abstrakter Weise, den Durchzug durch das Rote Meer dargestellt. In der Mitte werden zwölf Blöcke (die zwölf Stämme Israels) rechts und links von zwei lichten Wellen flankiert. Diese Wellen sind so gemalt worden, wie etwa eine Wasserwelle umschlägt. Wie durch eine Furt kann das Volk Gottes durch das Rote Meer bzw. durch das Wasser des Taufbrunnens hindurchschreiten. Um anzudeuten, dass das Volk Gottes, wenn es durch das Wasser der Taufe geschritten ist, sich noch nicht in der Herrlichkeit Gottes befindet, sondern nach wie vor in Bedrohung lebt, steigen von rechts und links tief-dunkle Wellen empor. Wäre das Umschlagen dieser Wellen genauso „natürlich“ wie bei den lichten Wellen dargestellt, würden sie unweigerlich das Volk Gottes ertränken. Um anzudeuten, dass durch das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes das Unmögliche möglich wird, lässt der Maler die bedrohenden Wellen scharf nach rechts und links zurückbrechen.

Beide Bilder sind als Meditationsbilder gedacht, denn nur dem, der in Ruhe meditierend vor ihnen verweilt, wird ihr tiefer Sinn offenbar werden.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Altar. Bei der Renovierung war man sich klar, dass der Altar kein „schön“ behauener Steinblock sein durfte. Der Altar muss ein Kunstwerk sein, das von sich aus eine Aussage macht. Gedanklich liegt dem Altar zugrunde: 1 Kön 18, 31-32 „Elias nahm zwölf Steine nach der Zahl der Stämme der Jakobssöhne, zu denen der Herr gesagt hatte: „Israel soll dein Name sein!“ Er erbaute aus den Steinen einen Altar im Namen des Herrn ...“ Zwölf Steine können nicht unmittelbar wahrgenommen, sondern nur abgezählt werden. Allen Bedenken zum Trotz blieb man bei diesem Entwurf, denn die künstlerische Aussage, die unmittelbar verstanden werden kann, soll doch die sein: an dieser Stelle wird dem selben Gott geopfert, der einst die zwölf Stämme zu Israel machte, und der auf zwölf Apostel die Kirche des Neuen Bundes gründete. Diesem Gott wird durch Christus das Opfer in der Gemeinde dargebracht.

Entwurf und Ausführung des Altars in anröchter Dolomit (etwa grünlich, als Kontrastfarbe zu den roten Backsteinsäulen) stammen von dem Bildhauer Paul Brandenburger, der aus dem gleichen Material den Ambo und den Priestersitz geschaffen hat. Durch die Bearbeitung in einer archaischen Formgebung ist es dem Künstler gelungen, nochmals einen Hinweis für die Verbindung des Alten und des Neuen Testaments zu geben.

Am 17. Mai 1969 konsekrierte Alfred Kardinal Bengsch, Bischof von Berlin, den Altar und mauerte bei dieser Gelegenheit Reliquien der hl. Märtyrer Pius I. (Papst von 140 – 155) und Agapitus ein. (Um welchen von den Märtyrern dieses Namens es sich bei dieser Reliquie handelt, ließ sich aus der eingemauerten Urkunde nicht ermitteln).

An Besonderheiten weist die Kirche noch zwei Kunstwerke auf: Gleich rechts vom Eingang hängt in einem kleinen Andachtsraum eine Ikone aus dem Moskowiter Raum (Ende des 18. Jahrhunderts, Größe 30 zu 22,5cm). Auffällig ist an der Darstellung der Pieta, dass der Künstler den vom Kreuz abgenommenen Christus in den Schoß Mariens in der Größe eines Säugling legt. Den nur schlecht lesbaren kyrillischen Buchstaben nach heißt diese Ikone „Mutter weine nicht“.

Genau gegenüber fand ein anderes Kunstwerk in der ehemaligen Taufkapelle Aufstellung. Es ist eine Bronzebüste Papst Pius X., die Professor Limburg 1904 in Rom schuf (85cm hoch, 75cm breit). Sie ist aus zweifachem Grund aufgestellt worden:

1.    Die Marienkirche würde während des Pontifikates Pius´ X. erbaut und am 30. Oktober 1910 durch den Fürstbischof von Breslau, Kardinal Kopp, konsekriert.
2. Der inzwischen heiliggesprochene Papst Pius X. strahlt soviel Heiligkeit, Güte und Männlichkeit aus, dass er seine Verehrer auf ihrem eigenen Weg zur Heiligkeit ermutigt.


Patronin der Kirche ist „Maria, Hilfe der Christen“.

   
© DL7AWO

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